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Der Betriebsausflug: Ein kurioses Ritual der sozialen Verpflichtungen

  • Autorenbild: Marie Laveau
    Marie Laveau
  • 25. Sept. 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Es gibt kaum eine Unternehmenskultur ohne die obligatorische Tradition des Betriebsausflugs – eine scheinbar harmlose Veranstaltung, die, wenn man genauer hinsieht, viel über soziale Dynamiken am Arbeitsplatz aussagt. Doch warum gibt es diesen seltsamen Ritus? Was treibt Menschen dazu, Zeit außerhalb der Arbeitszeit mit Kollegen zu verbringen, mit denen sie in den meisten Fällen ohnehin schon den Großteil ihrer Woche verbringen?


Dieser Beitrag widmet sich einer tiefgründigen Analyse des Phänomens „Betriebsausflug“. Dabei werden wir nicht nur den Sinn und Unsinn dieses Events beleuchten, sondern auch die Typen von Teilnehmern charakterisieren, die man dort zwangsläufig trifft. Denn eines ist sicher: Ein Betriebsauflug kann ein kurzes Vergnügen, eine soziale Hürde oder gar eine emotionale Achterbahnfahrt sein – je nachdem, mit welchem Blickwinkel man ihn betrachtet.


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Der Betriebsauflug: Der Versuch, aus Kollegen Freunde zu machen?


Auf den ersten Blick mag der Zweck eines Betriebsausflugs klar sein: Teambuilding, Kommunikation und das Fördern eines besseren Miteinanders. Chefs und Personalleiter werden nicht müde, uns zu erzählen, dass ein Betriebsausflug eine großartige Gelegenheit ist, Kollegen in einem anderen Licht kennenzulernen, fernab des Schreibtisches und der stressigen Meetings. "Die Hemmungen fallen", sagen sie, „und man kann sich auf Augenhöhe begegnen.“ Na, wenn das mal kein optimistischer Ansatz ist!


Doch spätestens nach dem dritten Gruppenbild im Wald oder dem fünften Smalltalk über das Wetter fragen sich viele: „Warum zur Hölle tue ich mir das an?“. Die wahre Natur des Betriebsausflugs liegt wohl eher in einem unausgesprochenen sozialen Zwang. Man will nicht derjenige sein, der nicht mitkommt. Wer fernbleibt, gilt schnell als der Einzelgänger oder Schlimmeres: als unsozial. Schließlich geht es beim Betriebsauflug weniger darum, was man macht, sondern darum, dass man dabei ist. Der wahre Sinn des Betriebsausflugs? Das Aushalten sozialer Nähe unter beruflichen Umständen – ein echter Test für das soziale Durchhaltevermögen.


Einblick in die Seelenqualen des Durchschnittsangestellten


Der Tag des Betriebsausflugs beginnt meistens mit gemischten Gefühlen. Diejenigen, die sich für den Betriebsausflug angemeldet haben, weil „man das eben so macht“, starten den Tag mit einer Mischung aus Resignation und einem Hauch von latenter Hoffnung, dass der Ausflug vielleicht doch ganz nett wird. Der Gedanke: „Vielleicht wird es gar nicht so schlimm“ hält sich meist bis zum ersten Zwischenstopp.


Und was erlebt man auf so einem Ausflug? Das Programm reicht von Waldpädagogik über Teamspiele im Hochseilgarten bis hin zu Kanutouren oder – für besonders wagemutige Teams – Escape Rooms. Doch egal, welches Event gewählt wird: Das größte Abenteuer des Betriebsausflugs ist nicht die Aktivität an sich, sondern die Interaktion mit den Kollegen. Es geht nicht darum, wie gut du Klettern kannst, sondern wie du Smalltalk meisterst. Der wahre Drahtseilakt besteht darin, einen ganzen Tag lang peinliche Stille zu vermeiden.


Klassiker der Interaktionen sind dabei Gespräche über völlig unpersönliche Themen. Es wird so lange über das Wetter geredet, bis einem bewusst wird, dass es niemanden wirklich interessiert. Oder noch schlimmer: Die Gespräche driften in den privaten Bereich ab, und man erfährt plötzlich Dinge über Kollegen, die man nie wissen wollte – über Haustiere, Eheprobleme oder den furchtbaren letzten Urlaub mit den Schwiegereltern.


Der Sinn (und Unsinn) des Betriebsausflugs


Die Frage bleibt: Was genau soll der Betriebsausflug bewirken? Theoretisch geht es um das Stärken der Teamdynamik. In der Praxis wird allerdings schnell klar, dass es eher darum geht, in einer erzwungenen Situation zwischen persönlichen und professionellen Rollen hin- und herzuschalten. Was entsteht, ist eine Art „soziale Arbeitsverpflichtung“, bei der man darauf bedacht ist, keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Schließlich will man ja auch weiterhin mit dem Kollegen im Büro friedlich nebeneinander sitzen können.


Doch was machen die Ausflüge tatsächlich mit der Teamdynamik? Die Antwort: Es kommt darauf an. Manchmal gibt es positive Effekte – wenn etwa alle gemeinsam über die Missgeschicke während einer Kanu-Tour lachen oder gemeinsam im Escape Room versagen. Doch oft genug bleiben die Leute in denselben sozialen Gruppen, die sie auch im Büro pflegen. Die Abteilungen bleiben unter sich, und das „Teambuilding“ wird in homogenen Grüppchen absolviert. Schlimmer noch: Der Versuch, informelle Freundschaften zu erzwingen, kann schnell scheitern und für verstärkte Distanz sorgen, wenn persönliche Differenzen plötzlich in den Vordergrund treten.


Die unvermeidlichen Archetypen des Betriebsausflugs


Ein Ausflug mit Kollegen ist nicht nur eine gute Gelegenheit, die Teamdynamik zu beobachten, sondern auch eine Bühne für verschiedene Charaktertypen. Es gibt bestimmte „Archetypen“, die sich auf nahezu jedem Betriebsausflug beobachten lassen. Diese Persönlichkeiten machen das Event zu einem wahren Spektakel der Arbeitswelt.


  1. Der Motivierte (oder Übermotivierte) Er ist immer der Erste, der sich meldet, wenn Freiwillige gesucht werden. Egal ob Baumklettern oder Karaoke – der Motivierte ist stets dabei und lässt keine Gelegenheit aus, zu glänzen. Leider lässt er andere Teilnehmer dabei oft vergessen, dass es auch in Ordnung ist, mal einen Schritt zurückzutreten und zu genießen, ohne alles zu gewinnen.


  2. Der Drückeberger Diese Person versucht, so wenig wie möglich aktiv mitzumachen. Beim Teambuilding-Spiel zieht er sich strategisch in den Hintergrund, um ja nicht in die Verlegenheit zu kommen, eine Hauptrolle zu übernehmen. Ob er körperlich wirklich „angeschlagen“ ist oder einfach nur die Aktivitäten vermeidet, bleibt oft ein Rätsel.


  3. Der Networker Für diesen Typ ist der Betriebsausflug nichts anderes als eine verlängerte Kaffeepause. Sein Ziel: Kontakte knüpfen, möglichst auf der Management-Ebene. Dabei plaudert er charmant mit dem Chef, lacht laut an den richtigen Stellen und hofft auf zukünftige Aufstiegschancen. Ein Gespräch mit normalen Kollegen? Eher uninteressant.


  4. Der Meckerer Dieser Kollege hat immer etwas zu kritisieren. Entweder ist das Essen zu fade, die Organisation chaotisch oder das Wetter schlecht. Nichts kann ihm recht gemacht werden, und er lässt keine Gelegenheit aus, um das auch lautstark kundzutun. Mit ihm in einem Team zu sein, ist eine wahre Geduldsprobe.


  5. Der Unsichtbare Eine geheimnisvolle Figur, die es irgendwie schafft, den ganzen Tag dabei zu sein, ohne jemals wirklich aufzufallen. Manchmal fragt man sich am Ende des Tages, ob sie überhaupt da war. Aber keine Sorge: Sie war da. Immerhin hat sie sich vorsichtshalber ins Gruppenfoto gemogelt.


Wer mag den Betriebsausflug?


Nun stellt sich die Frage: Gibt es wirklich Menschen, die Betriebsausflüge mögen? Die Antwort lautet: Ja, es gibt sie. Mancherorts finden Kollegen sogar Gefallen daran, den Büroalltag zu verlassen und in entspannter Atmosphäre Zeit miteinander zu verbringen. Besonders in lockeren, kreativen Arbeitsumgebungen können solche Ausflüge tatsächlich eine willkommene Abwechslung sein. Auch extrovertierte Persönlichkeiten und Netzwerker lieben Betriebsausflüge, da sie eine Plattform für soziale Interaktionen und Karrierechancen bieten.


Wer nicht?


Auf der anderen Seite gibt es eine nicht zu unterschätzende Gruppe von Menschen, die den Betriebsausflug eher als Belastung empfinden. Sie fühlen sich in erzwungenen sozialen Situationen unwohl, besonders wenn diese mit Freizeitaktivitäten verbunden sind, die sie nicht mögen. Dazu gehören introvertierte Personen, die bereits im Büroalltag ihre sozialen Batterien aufbrauchen. Für sie ist ein Betriebsausflug keine willkommene Pause, sondern ein zusätzlicher Stressfaktor.


Betriebsauflug – Muss das wirklich sein?


Ob man den Betriebsausflug als Fluch oder Segen empfindet, hängt stark von der eigenen Persönlichkeit ab. Doch für viele bleibt er vor allem eines: eine soziale Verpflichtung, die man lieber übersteht, als dass man sie genießt. Der wahre Teambuilding-Gedanke verpufft oft in der Kakophonie des erzwungenen Smalltalks und der halbherzigen Spiele.


Und so bleibt die Frage: Muss das wirklich sein? Wahrscheinlich nicht. Aber er wird trotzdem jedes Jahr aufs Neue organisiert – denn im modernen Arbeitsleben gilt es eben, nicht nur am Schreibtisch, sondern auch im Hochseilgarten als Teamplayer zu glänzen.

 
 
 

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